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Anreise
Im Januar 2002 bestieg ich mit 5 Freunden von der PT Europe in Frankfurt das
Flugzeug Richtung Philippinen. Für mich war es das vierte Mal l in den letzten
12 Monaten das ich die Gelegenheit hatte meinen Lehrer und meine Freunde auf den
Philippinen zu besuchen
Uns alle erwartete ein 10 Tage Trainingscamp auf den Philippinen unter der
Leitung meines Lehrers Grand Tuhon Leo T. Gaje. Danach sollte ich weitere 3
Wochen mit Grand Tuhon zusammen militärische Spezialeinheiten der
philippinischen und amerikanischen Streitkräfte trainieren.
Nach einigen Stunden Flug bewegten wir uns mit 1022 km/h über Omsk hinweg in
Richtung unserer ersten Zwischenstation Hong Kong. Im Bordfernsehen lief ein
Bericht über Muhammed Ali, "The Greatest", darin wurde auch Bezug auf
den Einfluss der phil. Kampfkünste auf die legendäre Schrittarbeit und
Ringtaktiken Ali's genommen. Wir waren in unserem Element!
Nach einem Zwischenaufenthalt in Hong Kong befanden wir uns dann im Anflug
auf Cebu. Viele Schwenks im Anflug erlaubten einen Rundumblick auf das
traumhafte Lichtermeer von Cebu bei Nacht. Ich habe diesen Amblick schon oft
gesehen , dennoch bin ich immer wieder davon beeindruckt und auch meinen
Freunden war anzusehen, dass sie tief beeindruckt waren. Mit Ausnahme von
Jürgen Brix (Pekiti-Tirsia Trainer in Haßfurt) war es für alle zum ersten mal
die Gelegenheit Kali im Ursprungsland, den Philippinen zu trainieren. Das
Abenteuer lag genau vor Ihnen!


In Cebu beim Großmeister
Gleich schon am Flughafen begrüßte uns Grand Tuhon Gaje mit seiner Frau
sowie Baldwin Garrucho und Rommel Tortal. Die Wiedersehensfreude war groß! Mit
der Fahrt zum Hotel ergab sich auch schon eine erste Sightseeing Tour durch
Cebu. Durch die Augen meiner Freunde, bot sich für mich die Gelegenheit das
fast schon zur gewohnten Heimat gewordene Cebu neu zu erleben und die vielen
kleinen Wunder neu zu bestaunen. Es ist wie beim Kali unterrichten: Als
Erfahrener wiederholt man beim Unterrichten die Basis, aber auf Grund der
bereits gemachten Erfahrungen auf einem anderen Niveau, dies erlaubt einem ein
besseres Verständnis.
Da es bei unserer Ankunft bereits Abend war und alle von der Reise erschöpft
waren, nahmen wir Grand Tuhons Vorschlag, den Abend mit einem gemeinsamen Essen
ausklingen zu lassen, gerne an. Durch das gute Essen frisch gestärkt, reichte
die Energie noch aus, um uns ein wenig ins Nachtleben zu stürzen und einen der
zahlreichen Clubs mit philippinischen Live-Bands zu besuchen. Selbst die
Profi-Musiker aus unserer Gruppe waren sichtlich von dem vielseitigen Repertoire
und der Qualität der Bands beeindruckt. Die Stimmung war großartig und alle
waren gespannt auf das Training an unserem ersten Morgen auf den Philippinen..

Das erste Training: Lecture
Unser Hotel hatte eine Dachterrasse, die einen super Ausblick auf Cebu und
genügend Schatten für das Training bot. Das erste Training begann zuerst mit
einer Einführung von Grand Tuhon und seinem Neffen Rommel bei der Grand Tuhon
zeigte, welchen Stoff aus den Bereichen Stock/Schwert, Messer, Waffenlos und
Dumog (phil. Kampfringen) wir trainieren würden und wie sich die einzelnen
Segmente gegenseitig zu einem Ganzen ergänzen werden. Besonders beeindruckend
war zu sehen, wie sinnvoll die Dumog-Methoden die Stock und Klingenmethoden des
Pekiti-Tirsia Kali ergänzen.


Gleich im Anschluss: Praktisches Training
Der praktische Teil des Trainings begann Pekiti-Tirsia typisch mit
Schrittarbeit, Power- und Bridging-Kombinationen. Das Training startete mit
elementaren Kombination aus Tabas, Pasaka und Palapas und schrittweise wurden
die Methoden Centido Mortal, Watik, Trabis, Lu-ak, Luhud und Tumbur integriert.
Das Training war anstrengend und schweißtreibend - genau das was wir alle
brauchten und wollten! Jeden Schlag mit voller Kraft. Jeder Schritt, jede
Drehung schnell, präzise und immer im Gleichgewicht. Das Maximum aus dem
Körper herausholen und die Wirkung des Schlags genießen. Hat man das Gefühl
nicht mehr weiter zu können oder stößt man auf ein technisches Problem ist
Tuhon in der Nähe und hilft einem mit einer Geste oder einer kurzen
Erläuterung und dann geht es wieder. So macht Training Spaß! Am Schluss sind
alle erschöpft aber glücklich!

Sonne, Strand und Meer!
Da die Sicherheit auf der ursprünglich für das Training vorgesehenen Insel
nicht gewährleistet war, verlegten wir unser Domizil stattdessen an den
bekannten Tambuli Strand auf der Hauptinsel Cebu. Hier trainierten wir unter Palmen am herrlichen Strand, auf Wiesen und selbst
im Meer. Ein Traum!

Mit zunehmendem Können konzentrierte sich das Training immer mehr auf die
Umsetzung von Bunalaye und Taytayan (Bridging und Blow-by-Blow) unter Vollkontaktbedingungen.
Gerade auch unser Training in der Nacht bei Mondlicht erwies sich als
hilfreiche Erfahrung, für das Austrainieren von Pekiti-Tirsia "Blow by
Blow" - Methoden für Vollkontakt ohne Helm. Als ich Grand Tuhon auf meine
Beobachtung ansprach erzählte er von seinem Kampftraining mit seinem Großvater
Conrado Tortal, das nur im Mondlicht stattfand und wie er damals dieselben
Erfahrungen machte.
Die Inspiration und Anleitung durch GT, die Sonne, der Strand, die gesunde
Luft und das gute Essen sowie sicherlich auch das komplette Fehlen von Ablenkung
war ein idealer Nährboden für das Training der Gruppe: Alle trainierten mit
einer Intensität und Konsequenz, die sonst nur selten zu erreichen ist.
Weitere Trainingsschwerpunkte folgten: Im Dumog (philipp. Kampfringen)
konzentrierte Grand Tuhon das Training auf die Anwendung der Beineinstiege mit "Muscle/Tendon Destruction", das
gleichermaßen im Waffenloskampf wie im Stock- und Messerkampf eingesetzt wurde.
Viel Trainingszeit wurde auch auf das Trainieren des Kali-Bodenkampfes
gelegt, wie er aus dem Dumog durch Gegenkonter entstehen kann. Dabei legte GT
sehr viel wert auf das Einnehmen von Positionen, die möglichst sicher auch für
den Fall eines plötzlich auftauchenden Messers sind.
Angeregt durch Grand Tuhons Erläuterungen zum Thema Messerwerfen wurde
natürlich bei allen möglichen Gelegenheiten das Messerwerfen probiert. Die
Kokosnuss abgeschossen hat dabei Jimmy, der es schaffte ein Holzmesser in einer
ca. 5 Meter hoch am Baum hängenden Kokosnuß zum Stecken zu bringen. Natürlich
wurde die solchermaßen erlegte Kokosnuss dann vom Baum geholt und genüsslich
(zusammen mit anderen Kokosnüssen) verspeist.

Es wurde auch intensiv die Anwendung des Langstock/Speer (Malayu Sibat) und
im waffenlosen Bereich die Anwendungen des Prinzips Kaya Kulub (harmonische
Handwechsel) trainiert. Auch hier wieder im Zusammenhang mit den
Dumog-Bein-Attacken.


Erholung, Strapazen und Philippinisch / westliche Medizin
Wie immer hat Grand Tuhon auch für diese Gruppe wieder die genau passende
Mischung aus intensivem, körperlich anstrengendem Training, inspirierenden
Erläuterungen und erholsamen Freizeiten mit viel Spaß und hervorragendem Essen
gefunden, die alle Gruppenmitgliedern das Kali-Erlebnis so richtig genießen
lies. Es war auch eine geschickte Fügung, dass es in den zehn Tagen des
Trainingscamps viele Geburtstage zu feiern gab, so dass es fast jeden Tag einen
Anlass für ein kleine Fiesta gab.
Bei einem Trainingscamp wie diesem ist es normal, dass sich gegen Ende des
Camps die körperliche Erschöpfung durch Klimawechsel, Training etc. mit
verschiedenen kleineren Beschwerden bemerkbar macht, normalerweise kein Grund
zur Besorgnis und zu erwarten, aber diesmal wurde einer der Reiseteilnehmer
ernsthaft krank, so dass wir uns nach zwei Tagen ohne Besserung entschieden mit
ihm ins Krankenhaus zu gehen - natürlich begleitete die ganze Gruppe den
Kranken um ihn moralisch zu unterstützen, was allen einen unerwarteten Einblick
in das philippinische Gesundheitssystem brachte: Wir hatten es mit gut
ausgebildeten Ärzten und Schwestern zu tun, die aber offensichtlich mit wenig
Geld und altem Material auskommen mussten. Es wurde Blut abgenommen und
untersucht, sowie ein medizinischer Grundcheck ausgeführt, dann gab es für den
Patienten Medikamente, aber eine genaue Diagnose konnte keine gestellt werden.
An demselben Abend kam Grand Tuhons Frau, Gigi, wieder aus Bacolod zurück.
Sie beschäftigt sich intensiv mit den spirituellen Heilkünsten der Philippinen
und als sie über die Situation informiert war, machte sie sich spät abends -
nach ihrer Auskunft die beste Zeit für so etwas - an eine Heilungszeremonie
für den Kranken. Als diese Zeremonie abgeschlossen war, sagte Gigi zu mir:
"Dass ist nur eine kleine Aktion. Morgen geht es ihm wieder gut." Und
tatsächlich, am nächsten Morgen ging es unserem Patienten zu unser aller
Erleichterung schon deutlich besser und er konnte auch wieder beim Training
dabei sein.

Kampf ... Kämpferischer ... Pekiti-Tirsia
Gegen Ende des Camps kehrte die Gruppe wieder nach Cebu zurück und das
Training fand wieder auf dem Dach des Hotels statt. Wie schon während des
Trainings am Strand, setzte Grand Tuhon die Integration der verschiedenen
Methoden zu einem Ganzen weiter fort und dabei war die Gruppe zwar immer
erschöpfter zugleich wurde das Training aber auch immer
kämpferischer. Messer, Stock, Dumog ... wer wollte konnte seine Fähigkeiten in
Kämpfen mit oder ohne Helm erproben.
Viel zu schnell
Die zehn Tage auf den Philippinen vergingen viel zu schnell. Als es hieß
Abschied zu nehmen wollte niemand so recht gehen, doch die Verpflichtungen zu
Hause riefen und der Flug war gebucht. Am internationalen Flughafen in Cebu gab
es dann eine große Verabschiedung und es wurde sich versprochen, dass es nicht
lange dauern wird, bis man sich wieder sieht. Die Gruppe flog zurück nach
Deutschland, ich blieb aber noch einige Wochen, um Grand Tuhon bei der
Ausbildung verschiedener militärischer Spezialeinheiten zu unterstützen. Meine
Freunde beneideten mich darum - wenn sie wüssten, was mich erwarten würde...
Der Reisebericht nach Uli Weidles Tagebuch wird fortgesetzt! Dann gibt es u.a. zu lesen:
- Sinulog Fiesta in Cebu: Kampfkunst versteckt in den Tänzen
- Pekiti-Tirsia Training der Heeresstreitkräfte im Armed Forces Central
Command Cebu
- Pekiti-Tirsia Training im Dschungel Camp mit der Force Recon Spezialeinheit
der Marines und US Special Forces

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