Heute wird die Fechtkunst meist mit dem leichten und spielerisch elegant wirkenden Florett und dem Sportfechten assoziiert. Doch bevor die Fechtkunst sportlichen Regeln unterworfen wurde, hatte sie eine weit umfangreichere Bedeutung: Erfahrene Fechtmeister unterwiesen ihre Schüler in der vollständigen Kunst der Selbstverteidigung. Dazu gehörte der Kampf mit und ohne Waffe. Die Schüler der Fechtmeister lernten mit dem Ziel, in ihrer jeweils aktuellen Gesellschaft als erfolgreiche und geachtete Menschen zu bestehen. Wie dies zu erreichen ist, zeigt die vollständige Fechtkunst so elementar, daß sie in praktisch jeder Kultur - sei es auf den Philippinen, in China, in Japan oder in Europa - als praktische Notwendigkeit gepflegt und selbst dann weiter bewahrt wurde, als das Schwert seine praktische Bedeutung als Waffe verlor.
Das Fechten als umfassende Verteidigungskunst enthielt Faustkampf, Ringer- und Waffenkunst in einem System. Diese umfassende Fechtkunst enthielt neben den Methoden zur körperlichen Selbstverteidigung auch Strategien zur nichtkämpferischen Selbstbehauptung. Das bedeutet, daß von den Fechtmeistern auch (zweckdienlicher) Anstand und Benimm als bedeutender Bestandteil der Kampfkunst unterrichtet wurde. Sie ermöglichen auch heute noch, angestrebte Ziele mit einem Minimum an Aufwand (mit einem Minimum an persönlichem Risiko) zu erreichen.
In früheren Zeiten organisierten sich Fechtmeister in Europa zum Erfahrungs- und Wissensaustauch. Sie gründeten Gilden oder Fechtgesellschaften, um ihr Wissen zu bewahren. Bekannte Beispiele für Fechtgesellschaften aus Europa sind die Federfechter, die Luxfechter, die Brüderschaft von St. Markus vom Löwenberg (Marxbrüder) oder auch die "Masters of Defence" von England. Die Fechtgesellschaften waren sehr angesehen. Beispielsweise erhielten die Marxbrüder, die auch als "Meister des langen Schwerts" bekannt waren, im Jahre 1487 von Kaiser Friedrich II. erstmals ihren Schutzbrief.
Die Fechtgesellschaften ermöglichten den Fechtmeistern den Austausch und die Erprobung von "Heimlichkeiten" unter Freunden, also von geheimen Finessen bzw. Taktiken, welche ihnen einen Vorteil im Kampf sichern sollten. Die Mitgliedschaft bzw. Graduierung in einer Fechtgesellschaft hatte auch die Funktion eines Gütesiegels.
Von der Fechtgesellschaft e. V. wird der Begriff des Fechtens im Gegensatz zum Sportfechten immer in dem hier beschriebenen ursprünglichen, praxisorientierten und umfassenden Sinne verstanden. Die Fechtgesellschaft e.V. ist ein moderner Verein, der sich die Aufgabe gesetzt hat, weltweit den Kontakt zu bedeutenden lebenden Meistern der Kampfkunst / Fechtkunst zu bewahren und deren Wissen zu sammeln. So werden in verschiedenen Sektionen der Fechtgesellschaft e.V. verschiedene europäische und asiatische Fechtkünste gepflegt. Die verschiedenen Künste werden getrennt betrachtet, so daß sie möglichst authentisch studiert und trainiert werden können, doch wer will, hat auch die Möglichkeit zu vergleichenden Studien. Die Fechtgesellschaft e.V. erfüllt damit eine ähnliche Funktion wie traditionelle europäische Fechtgesellschaften, die auch Vorbild für die Namensgebung des Vereins waren.
Unser Symbol verdeutlicht die Zusammengehörigkeit von Waffenkampf und waffenlosem Kämpfen: Wer nur das waffenlose Kämpfen kennt, versteht nur einen Teil der Welt. Ebenso gilt dies für jemand, der nur mit der Waffe in der Hand zu kämpfen weiß. Jedes für sich genommen ist genauso wenig echt wie ein nur auf einer Seite geprägtes Fünfmarkstück. Im Falle der Selbstverteidigung ist es so, daß jemand, der nur waffenlos trainiert, die Gefahr nicht einschätzen kann und jemand, der nur die Waffe kennt, den Blick für die Realtät verliert. Nur beides in einer Einheit bewahrt vor einer einseitigen und unvollständigen Wahrnehmung.
Das Logo der Pekiti-Tirsia Europe im Hintegrund steht für die enge Zusammenarbeit mit dieser Organisation. Die meisten Kali-Kurse werden vom Europa-Cheftrainer Uli Weidle persönlich geleitet, außerdem organisiert die Fechtgesellschaft gemeinsam mit der Pekiti-Tirsia Europe regelmäßig Seminare mit international renommierten Kampfkunst-Trainern.